Vergiftungen sind nach Stürzen die zweithäufigste Unfallart bei Kindern. Eine neue kostenlose App des Bundesinstituts für Risikobewertung soll Eltern und anderen, die Kinder betreuen, helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, wenn sie vermuten, dass sich ein Kind vergiftet hat.
2.9.2013 (verpd) Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) werden die neun Giftinformationszentren in Deutschland rund 100.000-mal von Bürgern zu Vergiftungsunfällen von Kindern kontaktiert. Eine neue App des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zeigt betroffenen Eltern oder Betreuern die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen auf, wenn der Verdacht besteht, dass ein Kind giftige Substanzen zu sich genommen hat. Sie bietet aber auch Hintergrund-Informationen und Tipps, um Vergiftungsunfälle zu vermeiden.
Wie die Statistiken zeigen, ist die häufigste Ursache für Vergiftungsunfälle bei Kindern das Schlucken von Haushaltsmitteln wie Haushaltsreinigern oder Körperpflegeprodukten. Während es bei derartigen Mitteln je nach Bestandteilen zu keinen oder nur leichten Vergiftungs-Erscheinungen kommt, können Vergiftungen mit Medikamenten, giftigen Pflanzen, ätzenden Substanzen und Lampenölen zu schweren Gesundheitsproblemen bis hin zum Tod führen.
Egal ob das Kind versehentlich eine vermutlich giftige Substanz eingenommen hat oder bereits Vergiftungs-Erscheinungen zeigt – es ist in jedem Fall wichtig, sofort die richtigen Maßnahmen zu treffen und eine fachliche Einschätzung der Situation durch Experten beziehungsweise Ärzte einzuholen.
Erste Hilfe und Prävention auf Tastendruck
Die neue App „Vergiftungsunfälle bei Kindern“ des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) hilft den betroffenen Eltern und Betreuern in solchen Situationen, ruhig zu bleiben und sich richtig zu verhalten. Per Tastendruck werden nicht nur detaillierte Hinweise zu den Inhaltsstoffen von Haushaltsmitteln und anderen Chemikalien, Medikamenten, Pflanzen und Pilzen sowie zu den Symptomen, die die einzelnen Substanzen auslösen, angezeigt. Zudem erfährt der Benutzer der App, welche Erste-Hilfe-Maßnahmen je nach eingenommene Substanz oder bereits auftretende Vergiftungserscheinung notwendig sind.
Die App kann eine notwendige ärztliche Beratung nicht ersetzen, doch es besteht die Möglichkeit mithilfe der App direkt den nächstgelegenen Giftnotruf anzuwählen, um sich umgehend einen ärztlichen Rat einzuholen. Doch die App ist nicht nur für Notfälle gedacht. Sie zeigt auch auf, wie sich Vergiftungsunfälle von vornherein verhindern lassen.
App und Broschüre sind kostenfrei
„Die App ist ein wichtiges Informations- und Nachschlagewerk – auch ohne unmittelbare Internetverbindung. Im Notfall kann aus der App sofort das zuständige Giftinformationszentrum angerufen werden“, erklärte Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des BfR.
Inhaltlich richtet sich die App nach der Broschüre „Risiko – Vergiftungsunfälle bei Kindern“ des BfR, die in Zusammenarbeit mit dem Giftnotruf Berlin und der Bundesarbeits-Gemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e.V. entstanden ist und kostenlos beim BfR heruntergeladen oder angefordert werden kann. Die App „Vergiftungsunfälle bei Kindern“ selbst wurde für Smartphones mit den Betriebssystemen Android und iOS entwickelt und steht ebenfalls kostenfrei in den jeweiligen App-Stores zum Download bereit.